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„Schütte – Lanz – Gewerbepark“ in Zeesen muss umbenannt werden ! PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: BGR   
Freitag, den 09. Juli 2010 um 18:30 Uhr

„Schütte – Lanz – Gewerbepark“ in Zeesen muss umbenannt werden!

 

Das „Bündnis Gegen Rechts“ hat in den letzten Wochen genau recherchiert und eine Broschüre an die demokratischen Parteien in der SVV übergeben.


Zur Geschichte:

Darf dieses Mannes heute wieder in Ehre gedacht werden?

 

  • ein genialer Ingenieur und Pionier der Luftfahrt
  • ein „Patriot“ und Kriegsgewinnler des Kaiserreiches
  • ein begeisterter Nationalsozialist, schon vor 1933

 

Heinrich Schütte erwarb Weltrum mit der Erforschung von Strömungsverhältnissen an Schiffen. Diese Erkenntnisse wandte er auf den Luftschiffbau an. Mit finanzieller Unterstützung des Landmaschinenherstellers Heinrich LANZ gründete er die

Schütte-Lanz-AG und errichtete in Zeesen eine Luftschiffwerft.

Im Unterschied zu ZEPPELIN entwickelte und baute SCHÜTTE Luftschiffe und später auch Flugzeuge ausschließlich für die kaiserliche Armee. Dies hatte zur Folge, dass seine Werft in Zeesen demontiert werden musste (Versailler Vertrag). ZEPPELIN, der auch zivile Luftschiffe baute, durfte weiter produzieren. Schütte versuchte dann, seine Patente an das faschistische Italien zu verkaufen.

Schütte-Luftschiffe waren für Aufklärung und Bombenabwurf konstruiert. So wurden London und andere Städte im „Feindesland“ bombardiert, ohne Rücksicht auf die zivile Bevölkerung. Auch Brandbomben kamen dabei zur Anwendung.

Nach Schließung der Zeesener Zeppelinwerft arbeitet SCHÜTTE als Hochschullehrer und war jahrelang Vorsitzender der Schiffbautechnischen Gesellschaft. Schon vor der Machtergreifung der Nazis sprach er auf deren Wahlveranstaltungen. 1934 wurde er von den Nazis ausgezeichnet, gemeinsam mit Generalfeldmarschall Erhard Milch, der in Nürnberg als Kriegsverbrecher verurteilt wurde. Milch hatte  Häftlinge des KZ Dachau für Versuche der Luftwaffe missbraucht. Die Begeisterung für Hitler und den Nationalsozialismus ist vielfach nachgewiesen. Belege fehlen aus der Zeit als Hochschullehrer an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg weil deren Archiv im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Genügend Nachweise finden sich im Stadtarchiv Oldenburg und in den Akten der Schiffbautechnischen Gesellschaft.

Nirgends finden sich Dokumente, die eine gewisse Distanz zum NS-Regime erkennen lassen.

Auch wenn die ingenieurstechnische Leistung SCHÜTTES unbestritten ist: Einen Gewerbepark darf man heute nicht nach ihm benennen. Ein Mann ohne moralische Verantwortung, der sich zum eigenen Vorteil dem Zeitgeist anpasst und daraus Gewinne zieht, ist kein Vorbild und keiner Ehre, außerhalb des Bereichs der Wissenschaft, würdig.

 

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Es sollte geklärt werden, wie es 2007 zu dieser Umbenennung im Beisein der damaligen Kulturministerin Prof. Johanna Wanka kam, damit sich Derartiges nicht wiederholt.

Es muss ein neuer Name für den Gewerbepark gefunden werden.

 

Wer meint, man könne Schütte nichts vorwerfen, das sei eben die Zeit gewesen, dem sagen wir: Recht so, das war diese schreckliche Zeit und die ist nun seit 65 Jahren Gott sei Dank vorbei!!!

 

Stellungnahme vom BGR:

Schütte ist mitschuldig am Werden und dem Charakter des „3.Reiches“, aber vor allem hat er als Wissenschaftler seine Vorbildfunktion und seine Symbolwirkung ausgenutzt und damit Andere auf den verhängnisvollen Weg der NS-Gesellschaft gebracht. Seine ganze Intelligenz und seine Tatkraft, seine Triebe nach Anerkennung (wissenschaftlicher + gesellschaftlicher) und Geld hat er versucht, skrupellos mit Hilfe von Menschenrechtsverletzungen (Krieg ….) zu befriedigen. Er ist ein Prototyp für Wissenschafter und Ingenieure, die sich in den Dienst der Vernichtung anderer Menschen stellen - logischerweise über nationalen Größenwahn und Naziideologie. Er war nicht Mitläufer der Nazis, sondern er hat in dem Geist gehandelt, den er im 1. Weltkrieg erworben und praktiziert und unter den Nazis engagiert fort- bzw. umgesetzt hat. Diesen Geist hat er dem ihm zugänglichen wissenschaftlichen und ingenieurtechnischen Volk aufoktroyiert. Auf seinem Fachgebiet steht er (wenn auch Gott sei Dank nicht mit solcher Wirkung) den Giftgasentwicklern, den Architekten von KZ, Entwicklern von Krematorien, Technologen der Massenvernichtung, Raketen usw. nicht nach. Er war nicht ein Mitläufer, den die technischen Möglichkeiten verführten, sondern er war ein bewusster Organisator und das schon vor 1933. Ein solcher skrupelloser Umgang mit Intelligenz und gesellschaftlicher Verantwortung kann nicht am technischen Resultat, sondern muss an seiner gesellschaftlichen Wirkung gemessen werden. Schütte darf deshalb generell kein Vorbild und Namenspatron sein, erst recht nicht für ein Gewerbegebiet. Will man damit sagen, hier wird produziert, egal wofür?

 

Gedanken des „Bündnis gegen Rechts“

zum weiteren Umgang mit diesem Problem

 

 

  • Der so gelungene und mit viel Mühe geschaffene Gewerbepark muss einen anderen (würdigen) Namen erhalten.

 

  • Die noch bestehenden Gebäude der Schütte-Lanz-AG müssen vor weiterem Verfall geschützt werden. Sie sollten unter Denkmalschutz gestellt werden, sofern dies nicht schon geschehen ist.

 

  • Für die Zukunft sollte überlegt werden, ob dort ein historisches Museum über diese historisch so wichtige Industrielandschaft eingerichtet werden kann. (Schütte-Lanz-AG, Sender Zeesen). Dabei wäre die technische Leistung zu würdigen und der politische Kontext zu erläutert.

 

  • Es sollte geprüft werden, ob eines der Gebäude zukünftig als Heimatmuseum eingerichtet werden sollte, da das bestehende Museum zu wenig Platz bietet.


--------> Die volle Dokumentation gibt es hier zum herrunterladen: Download



Die MAZ berichtete:


GESCHICHTE: Den Falschen geehrt?

Kritik an Namensgebung für Zeesener Gewerbepark, weil Johann Schütte ein Nazianhänger war

KÖNIGS WUSTERHAUSEN - Ein paar Klicke im Internet reichten aus. Schnell war Frank Rauhut vom „Bündnis gegen Rechts“ in Königs Wusterhausen über Johann Schütte im Bilde. „Wir sind auf einige schlimme Dinge gestoßen“, sagte er am Montagabend vor den Stadtverordneten, die im Rathaus in der Karl-Marx-Straße tagten. Der Luftschiffbauer Schütte, nach dem der Gewerbepark Zeesen vor drei Jahren benannt wurde, sei Nazianhänger und Kriegsgewinnler gewesen. Man sollte den Namen schnell aus dem Bild der Stadt streichen, forderte er.

Rauhut wundert sich, dass vor der Namensvergabe damals nicht ausreichend über den Mann, der sich mit seinem Unternehmen 1914 in Zeesen niederließ, recherchiert wurde. „Dann wäre man doch schnell darauf gekommen, dass hier etwas nicht stimmt.“

Das Bündnis erstellte inzwischen eine Broschüre mit Fakten. Schütte produzierte im Ersten Weltkrieg Luftschiffe für das Militär. Aus ihnen fielen Bomben auf England. In Zeesen trieb er die Entwicklung von Jagdflugzeugen und Fernbombern voran. Schütte soll später von den Nazis begeistert gewesen sein. Er hielt flammende Reden auf Hitler. In seiner Geburtsstadt Oldenburg ist das nicht vergessen worden. 1948 wurde sein Name aus dem Goldenen Buch gestrichen. Die Eintragung war wegen ihrer „unzweifelhaften Deutlichkeit nicht mehr tragbar“, erfuhr Rauhut schriftlich von der Stadt Oldenburg.

„Für uns kommt das alles überraschend“, reagierte Bürgermeister Lutz Franzke auf die Forderung Rauhuts nach einer Namensstreichung und Entfernung der Stele im Gewerbepark sowie nach einer Umbenennung der Schütte-Lanz-Straße. Er erinnerte daran, dass es einen Wettbewerb gegeben habe. „Der Beschluss für Schütte-Lanz war dann recht einstimmig“, so das Stadtoberhaupt. Wie man jetzt weiter verfahren werde, ließ er erst mal offen. „Mal schauen“, sagte er.

Der Gewerbepark Zeesen steht für eine Erfolgsgeschichte der Region. Der damalige Ministerpräsident Manfred Stolpe hatte das Areal 1991 symbolisch zur Ansiedlung freigegeben. 16 Jahre später war es vollständig vermarktet. 50 Firmen hatten sich angesiedelt. 1000 Arbeitsplätze waren geschaffen worden. Aus diesem Anlass wurde am 25. August 2007 ein großes Fest gefeiert, auf dem auch die Namensverleihung zur Erinnerung an die Zeesener Pioniere der Luftschifffahrt Johann Schütte und Karl Lanz erfolgte. Die Stadt unterstützte die Veranstaltung mit 10 000 Euro. In eine Stele sowie in ein Leitsystem für den Gewerbepark wurden weitere 30 000 Euro investiert.

Die Schütte-Vergangenheit sorgte auch gestern in der Stadtverwaltung für Diskussionen. „Wir werden uns natürlich mit dem Thema weiter beschäftigen“, kündigt Pressesprecherin Uschi Schlecht an. Sie verweist ebenfalls darauf, dass die Namenssuche öffentlich erfolgte. Nach einem Aufruf gab es 20 Vorschläge. Mehrmals tauchte „Schütte-Lanz“ auf. Ein Gremium mit Vertretern der Industrie- und Handelskammer, der Handwerks-kammer, des Ortsbeirates und der Unternehmer traf die Entscheidung. „Die Namen gehören zu Zeesens Geschichte. Sie waren nicht negativ besetzt“, so Uschi Schlecht. Frank Rauhut vom Bündnis gegen Rechts betont: „Ein guter Wissenschaftler zu sein, reicht nicht aus, um auf diese Weise geehrt zu werden.“ (Von Liane Stephan)

Das „Bündnis Gegen Rechts“ hat in den letzten Wochen genau recherchiert und eine Broschüre an die demokratischen Parteien in der SVV übergeben.

Hier eine Stellungnahme des BGR zum Thema Schütte:

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 16. August 2010 um 17:53 Uhr
 

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